„Lebensberaterin und Ritualkünstlerin“ – so lautet die offizielle Berufsbezeichnung von Ziriah Voigt. In ihren Anzeigen wirbt die 49-jährige mit „Spirituelle Begleitung, Ritueller Kreistanz, Jahreskreisfeste“, der Name ihres Unternehmens: „Schwarze Hecke“. Ein ungewöhnliches und vor allem seltenes berufliches Profil hat Ziriah Voigt in den vergangenen 14 Jahren entwickelt. Als sie sich 1990 für die Freiberuflichkeit entschied und damit aus der nebenberuflichen Seminartätigkeit ein Ein-Frau-Unternehmen entwickelte, hatte sie vor allem ein Ziel: „Ich wollte von meinen spirituellen Sachen leben, Rituale für Frauen feiern und eine Kultur schaffen, die anders religiös geprägt ist.“
Aufgewachsen in einem christlichen Kontext, studierte sie evangelische Theologie und wurde Pfarrerin. Nach eineinhalb Jahren im Hilfsdienst in einer Gemeinde kündigte sie ihre Stelle und setzte einen Schlussstrich unter das Kapitel Kirche. „Ich wollte nicht mehr von der Kirche leben.“ Aber wovon dann? Sie suchte nach einem religiösen Ausdruck, der stärker von Frauen geprägt ist und mythologische Traditionen aufnimmt. „Wie setze ich das in einen Beruf um?“, war jahrelang eine Frage, an der sie sich abarbeitete und mit der sie nach Perspektiven suchte.Was heute selbstverständlich erscheint – Kurse zu spirituellen Themen und ein Seminargeschäft im Ritualbereich – gab es in den 80er Jahren noch nicht. „Vieles spielte sich damals in halböffentlichen Zusammenhängen ab“, erklärt sie. Was dazu führte, dass es für eine Leiterin von Ritualen keine professionelle Rolle gab. Das Spirituelle mit dem Wirtschaftlichen zu verknüpfen, war anfangs nicht vorstellbar. „Ich hatte eine ethische Hemmung, für spirituelle Arbeit Geld zu nehmen“, sagt sie. „Es kollidierte mit meiner Vorstellung von religiösem Feuer, dass ich als Leiterin eine Leistung erbringen soll, die honoriert wird.“ Vorbilder für eine professionelle und damit auch geschäftliche Gestaltung dieser Arbeit fand sie in dieser Zeit nicht.
Heute beschreibt sie die Jahre vor der Entscheidung zur Gründung als halbprofessionelle Phase, in der sie nicht nur ihr Angebotsprofil „auf ein gehobenes Niveau“ entwickelt, sondern auch eine unternehmerische Identifikation findet. Sie konzentrierte sich Anfang der 90er Jahre zunächst auf Rituale und Orakel, arbeitete als Tarotdeuterin, gab Kurse und erkannte schnell: „Das ist zum Leben zu wenig.“ Aber sie erlebte in den Ritualen eine positive Resonanz der Teilnehmerinnen und fühlte sich bestärkt, weiterzumachen. „Frauen, die nach religiösen Alternativen suchten, fragten: Wo sollen wir denn hin? Wer wird mal meine Beerdigung machen? Das war für mich ein Motor.“Im Kontext des Frauenbildungshauses Zülpich fand Ziriah Voigt den Freiraum, den sie für den Aufbau ihres Geschäfts brauchte. Und sie entscheidet sich für den Namen „Schwarze Hecke“, obwohl sich „schwarz“ im Titel angeblich nicht verkaufen lässt. Für die Ritualkünstlerin ist er stimmig. Die Hecke ist ein Symbol aus der keltischen Mythologie für die Grenzbereiche in die Anderswelt, die Schwarze Kraft bezeichnet in der matriarchalen Mythologie den Ort der Weisheit.
Anfangs macht sie ihr Angebot ausschließlich über die Frauenbildungshäuser und weiß nach den ersten Jahren: „Wenn ich so weiter mache, dann arbeite ich mich kaputt.“ Also entschließt sie sich im nächsten Schritt, selbst als Veranstalterin aufzutreten, Häuser zu buchen und zu werben. Und das Risiko lohnt sich. Sie vergrößert ihren Kundinnenkreis und kann bundesweit auftreten.Über die Seminararbeit begegnen ihr immer mehr Frauen, die keine punktuelle Begleitung suchen, wie beim Tarot, sondern eine längere Einzelbegleitung. Heute arbeitet Ziriah Voigt mehr therapeutisch und beratend. Sie begleitet ihre Kundinnen auf „spirituellen Heilungswegen“ und nimmt nach einigen Jahren den Schwerpunkt „Tanz“ dazu. So kann sie auch mit größeren Gruppen arbeiten. Bei Ritualen sind es 12 bis 15 Teilnehmerinnen, in den Tanzgruppen bis zu 25.Mit ihrem Angebot besetzt Ziriah Voigt eine Nische. „Es gibt keine Frau in Deutschland, die den Schwerpunkt Tanz und Ritual mit einem so fundierten Hintergrund vertreten kann“, sagt sie. „Noch dazu mit einer theologischen Ausbildung.“ Mit dieser Mischung zieht sie auch Kundinnen aus dem kirchlichen Kontext an. Aber noch immer haftet ihr das „hexische Flair“ an, auch wenn ihr Projekt, wie sie sagt, „sesshafter und bürgerlicher geworden ist“.
Seit einigen Jahren bildet Ziriah Voigt aus. Mit der Fortbildung „Ritueller Kreistanz“ hat sie ein eigenes Label entwickelt, das sie bisher in ein, zwei- und dreijährigen Kursen angeboten hat. Erstmals hat sie dafür mit Gastdozentinnen gearbeitet und erlebt, wie produktiv der Austausch mit Kolleginnen ist. „Den fachlichen Austausch vermisse ich in der Freiberuflichkeit“, sagt sie. Auch ein Grund dafür, über eine Vergrößerung, die Bildung eines Instituts oder eine berufliche Partnerschaft nachzudenken. Und auch wenn die Schwarze Hecke wirtschaftlich arbeitet, die finanzielle Seite würde damit noch einmal in Bewegung kommen: „Sich in der Nische und als Ein-Frau-Unternehmen zu behaupten ist schwer, es gibt einfach wirtschaftliche Grenzen.“
